„Spital-GAV“: Ziel noch nicht erreicht –

Es droht eine Pattsituation

 In bisher 19 Halbtages-Sitzungen haben Delegierte von fünf Nordwestschweizer Berufsverbänden und Gewerkschaften, in denen Mitarbeitende aus dem Gesundheitswesen organisiert sind, mit den Arbeitgebervertretern Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geführt. Der soll in Kraft treten, falls die Spitalfusion am 10. Februar 2019 in Volksabstimmungen in den beiden Basler Kantonen gutgeheissen wird. Das Ziel, den GAV bis Ende 2018 unterschriftsbereit vorliegen zu haben, ist allerdings verfehlt worden. Vielmehr droht ein Patt, da sich die beiden Parteien bisher in mehreren relevanten Punkten uneins sind. Die vor der Festtagspause vorliegende Fassung reicht den Arbeitnehmerverbänden jedenfalls nicht zur Unterzeichnung, so dass die Verhandlungen nach den Feiertagen ergebnisoffen weiter geführt werden.

  

Seit April 2018 versuchen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter einen neuen Gesamtarbeitsvertrag auszuhandeln, der im Fall eines Vollzuges der geplanten Fusion des Uni-Spitals Basel und des Kantonsspitals Baselland zum „Universitätsspital Nordwest AG“ die zwei bisherigen Verträge ersetzen soll. Das Unterfangen erweist sich nach wie vor als sehr schwierig, was einerseits den in solchen Fällen üblichen Unterschieden zwischen Angebot der Arbeitgeber und Forderungen der Arbeitnehmer geschuldet ist, anderseits aber mit unterschiedlichen Bewertungen des bisher vorliegenden Vertragsentwurfes durch die beiden Parteien erklärt werden kann.

 Im Gegensatz zur Arbeitgeberseite, die zu Beginn der Verhandlungen im Frühjahr 2018 den Arbeitnehmenden im künftigen Universitätsspital Nordwest „ausgezeichnete Arbeitsbedingungen“ in Aussicht gestellt hatte und auch aktuell von einem „ausgewogenen Gesamtpaket“ spricht, ist die Arbeitnehmer-Vertretung dezidiert der Ansicht, dass im Vergleich mit den bisherigen GAV’s Verschlechterungen drohen, wenn in den nach wie vor strittigen Vertragspunkten keine Einigung erreicht wird. Um aber doch noch Konsens zu erzielen, muss sich die Arbeitgeberseite nach Ansicht der Arbeitnehmervertretung namentlich in den folgenden Bereichen spürbar bewegen:

 In der Festlegung des Arbeitsortes

  • In den Massnahmen bei Kündigungen aus wirtschaftlichen und/oder strukturellen Gründen

  • In der generellen Lohnentwicklung

  • In den Arbeitnehmerforderungen nach einem automatischen Teuerungsausgleich

  • In der Installierung eines Schiedsgerichts, das bei Uneinigkeiten in Bezug auf die Lohnentwicklung urteilen und entscheiden soll

  • In den Schichtzulagen für Assistenz- und OberärztInnen, die aktuell nur halb so hoch sind wie die Zulagen für das Pflegepersonal

 In all diesen Bereichen wurde an eine auf Vorschlag der Arbeitnehmerseite zusätzlich anberaumten Sitzung am 17. Dezember 2019 weiter verhandelt, ohne dass dabei in dieser Zusatzrunde genügend Resultate erreicht wurden. Damit ist unvermeidbar, dass es ab Januar 2019 weitere Verhandlungssitzungen der beiden Parteien braucht, um die drohende Pattsituation doch noch abzuwenden. Die jetzt vor der Feiertagspause vorliegende Fassung reicht jedenfalls den fünf  Arbeitnehmerverbänden, dieses Zwischenfazit ist eindeutig, nicht zur Unterzeichnung.

 

Zusammengesetzt ist die Arbeitnehmer-Delegation durch Vertretungen des „Baselstädtischer Angestellten-Verband“ (BAV), des „Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK“, der Gewerkschaft Syna, des „Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste“ (vpod region basel)  und des „Verband Schweizerischer Assistenz-und Oberärzte/-innen beider Basel“ (VSAO).

 

 

 

 

 

Aktuelles

VSAO Basel relativiert Debatte um Arztlöhne:

Ausreisser nach oben verfälschen das Bild total

 

Der VSAO Basel, Berufsverband von rund 2‘500 Assistenz- und Oberärztinnen beider Basel, hat mit Irritation Kenntnis von verschiedenen Berichten zu den Löhnen der Schweizer Ärzteschaft genommen, die dieser Tage aufgrund einer Untersuchung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) in verschiedenen Print- und Digitalmedien publiziert wurden. Es geht dabei dem VSAO Basel, der zusammen mit dem Dachverband VSAO Schweiz und den übrigen regionalen VSAO-Sektionen seit Jahren mit ungebrochenem Elan für  korrekte Arbeitsbedingungen seiner Mitglieder kämpft, nicht darum, die vom BAG veröffentlichten Zahlen grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. Zum Schutz der Tausenden angestellten Assistenz- und OberärztInnen sieht sich der VSAO Basel aber zu der folgenden Stellungnahme veranlasst, die die BAG-Erhebungen stark relativiert:

  • Die minimalen Bruttolöhne für zwölf Arbeitsmonate von AssistenzärztInnen im Kanton Baselstadt liegen seit 2012 unverändert zwischen CHF 77‘550.00 im 1. Angestelltenjahr und CHF 110‘412 im 8. Arbeitsjahr. Für Oberärztinnen und Oberärzte pendeln die Mindestgehälter auf dieser Hierarchiestufe zwischen

    CHF 114‘177 im 1. Jahr und CHF 142‘722 im 8. Jahr.

  • Angesichts dieser Minimallöhne, die für einen grossen Teil der ärztlichen Belegschaft in Spitälern gelten, erlaubt sich der VSAO die Feststellung, dass der vom BAG jetzt publizierte mittlere Lohn von CHF 257‘000 für Schweizer Ärztinnen und Ärzte krass von wenigen, aber massiven Ausreissern nach oben beeinflusst ist. Deshalb ist dieser errechnete Lohn für die grosse Mehrzahl angestellter Spitalärzte, bei denen es sich vorwiegend um Assistenz- und Oberärzte handelt, nach Ansicht des VSAO Basel so wenig realistisch wie es ein Durchschnittslohn von Angestellten in der Privatwirtschaft wäre, wenn hier die Gehälter weniger Führungskräften in – mitunter zweistelliger – Millionenhöhe eins zu eins in die Statistik einfliessen würden. 

  • Der VSAO Basel hält die hier transparent gemachten Minimallöhne der Assistenz- und Oberärzte aufgrund der langen Ausbildung und teil mehrjähriger Berufserfahrung für bestenfalls angemessen.

  • Mindestens gleichwertig mit den Lohnfragen beurteilt der VSAO seine Arbeit zugunsten guter Aus- und Weiterbildungen, zumutbarer Arbeitszeiten und einer stark verbesserten Balance im Aufgabenprofil von Ärztinnen und Ärzten zwischen ihrer Kernaufgabe zugunsten des Patientenwohls und dem aktuell viel zu hohen Anteil an rein administrativen Pflichten.


Safe the date



Dienstplanerforum

Das Diskussionsforum für DienstplanerInnen ist online. Dieses ermöglicht es den DienstplanerInnen, sich über Probleme und Lösungen bei ihrer Aufgabe auszutauschen.

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VSAO Basel über respektlosen Umgang mit Ärzten beunruhigt: Gefahr der medizinische Unterversorgung droht

Der Verband der Schweizerischen Assistenz- und Oberärztinnen und –ärzte Sektion Basel (VSAO Basel) stellt sich hinter die Ärzteschaft im Bruderholzspital und zeigt sich beunruhigt über die neusten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Spitalkooperation der beiden Basel und der Ankündigung das Bruderholzspital künftig nur noch als Ambulatorium zu betreiben. Insbesondere bemängelt der VSAO Basel, dass die Ärzteschaft oder zumindest die Keyplayer nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden wurden. Dieser respektlose Umgang mit den Ärztinnen und –Ärzten aber auch dem restlichen Personal ist inakzeptabel. Damit droht auch eine medizinische Unterversorgung der Bevölkerung und Engpässe in den Notfallstationen.

 Es ist für den VSAO Basel absolut unverständlich, dass die Verantwortlichen nichts gegen den Exodus der Ärzte aus dem Bruderholzspital unternehmen und diesen im Gegenteil sogar noch fördern. Ein kurzfristiger Wegfall des Bruderholzspitals, welcher aufgrund der jetzigen Situation unweigerlich sehr bald eintreten wird, führt nach Auffassung des VSAO Basel entgegen der Ansicht der Regierungsvertreter zu einer medizinischen Unterversorgung der Bevölkerung des unteren Baselbietes. Es ist zu befürchten, dass das Basler Unispital sowie die anderen umliegenden Spitäler ihre Kapazitäten nicht zeitnah genug ausbauen können, sodass eine Gefährdung der medizinischen Versorgung und insbesondere massive Engpässe in der Notfallmedizin nicht auszuschliessen sind. Der VSAO Basel weist darauf hin, dass ein allfälliger Versorgungsengpass in der alleinigen Verantwortung der Baselbieter Regierung liegt.

Der VSAO Basel gibt ausserdem zu bedenken, dass mit dem Wegfall des Bruderholzpitals als Ausbildungsklinik die Sicherstellung einer guten Weiterbildung - wie sie aktuell im Bruderholzspital gewährleistet ist - wegfällt. 

Der VSAO Basel unterstützt ausdrücklich die Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens in der Nordwestschweiz und auch die geplante Fusion der Spitäler der beiden Basel. Eine Einbindung medizinischer Führungspersonen aus beiden Kantonen in die Entwicklung eines solchen Projektes ist jedoch elementar. Im bisherigen Prozess wurde es leider verpasst die Ärzte aller beteiligten Spitäler einzubeziehen und das Know-How zu nutzen. Der VSAO Basel fordert deshalb, dass die weitere Planung des Fusionsprozesses nun rasch, konstruktiv und unter Einbezug aller Fachkräfte (auch der Kliniken) erfolgt. Nur so kann ein Verlust von hochqualifiziertem Personal und somit von Wissen und Qualität verhindert werden, was gerade auch in Zeiten von grossem Ärztemangel immens wichtig ist.

Am Bruderholzspital wird innovative Medizin und Chirurgie auf hohem Niveau angeboten. Die Angebote sind durchaus komplementär zu den Angeboten des Unispitals zu verstehen. Es gilt nun, diese Qualität reibungslos in ein neues gemeinsames Unternehmen zu überführen. Dies kann aber nur in konstruktiver Zusammenarbeit geschehen.

 

 


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